Da sind wir nun alle wieder?- zurück aus dem Urlaub in einem merkwürdigen Jahr, in dem so vieles anders ist. Ich hoffe, Du hattest schöne und erholsame Sommerwochen! 
Michael und ich haben 10 Tage zuhause in Köln Urlaub gemacht. 
Ich gehöre mittlerweile zu den Menschen, die im Sommer- Urlaub gerne wenig reden. Um nicht zu sagen, ich schweige am liebsten und kucke einfach so vor mich hin. Plane von aufstehen bis Kaffee, von Stuhl zu Hängematte, von sitzen zu losgehen. Kennste??
Es ist, als würde ich in meinem Gehirn fegen?. Klar Schiff machen, wie man in meiner alten Heimat Norddeutschland sagt. Und dabei geht es nicht unbedingt darum, unnütze oder blöde Gedanken auszukehren, sondern einfach mal alles. Einfach jegliche Gedanken, die sich an normalen Tagen in meinem Kopf tummeln.
Das war nicht immer so. Wir campen ja normalerweise und da gibt es viele Möglichkeiten, sich ständig mit netten Nachbarn und Mitcampern zu unterhalten. Im ersten Urlaub, in dem ich hauptsächlich schwieg, war ich manchmal unruhig. Ich dachte, nun muss ich besonders performen, interessante abendliche Small Talks beim Wein, Deep Talks mit meinem Mann übers Leben und überhaupt. Reden, um den Urlaub zu füllen.
Allerdings hatte ich im letzten Jahr wirklich keine Worte in meinem Kopf, die ich hätte sagen können. Ich kuckte meistens in der Gegend rum und wenn mich jemand fragte, sagte ich, ich sei glücklich und zufrieden?. 
Dieses Jahr war es wieder so. Herrlich!
Mein Gehirn ist nun schön leer gefegt von allem Möglichen, was Ende Juli noch drin war. 
Danach dauert es dann meistens etwas, bis nach dem boot wieder alles läuft. Aber kaum ist die Software wieder geladen, ist mein Modus deutlich erfrischter als vorher. Schweigen for fresh up.
Ich verstehe total, warum Menschen ins Schweigekloster gehen (davon bin ich dann doch noch einiges entfernt?). 
Wenn wir bewusst schweigen, kappen wir eine Schnellstrasse, mit der wir sonst umherreisen, die verbale Kommunikation.
Schon Astrid Lindgren schrieb: „Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, um einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ Was für eine weise Frau. Vor sich hinschauen sollte in die Olympischen Disziplinen aufgenommen werden! Kostenloses Lieblings-Hobby!?

Nun unterscheiden wir allerdings unterschiedliches Schweigen. 
Du kannst sauer schweigen. Vorwurfsvoll.
Du kannst traurig schweigen, weinend.
Du kannst blockiert schweigen, unbeweglich.
Du kannst beschäftigt schweigen, während Du am Handy oder am Computer sitzt.

Oder Du schweigst einfach beschwingt vor Dich hin. 
Souverän, während Du in einer Präsentation den nächsten Gedanken fasst. 
Achtsam, wenn Du streitest. 
Liebevoll, wenn Du tröstest.
Dankbar, wenn Du in der Natur bist.
Betrachtend, wenn Du etwas im Inneren oder Äußeren beobachtest.
✨✨✨
Achte mal drauf, in welchem Modus Du normalerweise schweigst. Kennst Du einen schon länger? Dann probier mal einen Neuen.?

Es gibt so viele Wege des Schweigens. Zu schön. 
Ich frage mich, wozu einige Menschen diesen machtvollen Hebel so selten nutzen…
Beim Schweigen entsteht diese Lücke. Eine Pause, die Du aushalten musst. 
Du musst dann auch Dich aushalten. 
Den Nachhall des zuletzt Gesagten. Den Nebel, wenn noch kein neuer Gedanke da ist. Die Freude, wenn ein Gedanke da ist und Du noch überlegst, wie Du ihn am wirkungsvollsten mit Deinen Sprechorganen transportierst. 

So viele Wege für gestaltetes Schweigen?. 

Für Menschen, die beruflich viel sprechen und teilweise auch laut sprechen müssen, ist gestaltetes Schweigen ein einfaches Mittel für die Regeneration der Organe. Die meisten Vielsprecher haben mit Stimmermüdung zu tun. Sie werden heiser, bekommen überhöhte Stimmlagen oder sogar Schreiknötchen, die dann beim Logopäden therapiert werden müssen.
Dabei muss man sich immer klar machen, dass die Anstrengung in unserem Leben- auch beim Sprechen- meist durch unseren eigenen Widerstand entsteht. Wenn Du Dich einer Herausforderung hingibst, strengst Du Dich deutlich weniger an, als wenn Du es mit Widerstand tust.
„Ich will eigentlich nicht mehr reden, also spreche ich mit mehr Druck, um die Müdigkeit zu unterdrücken.“ 
„Ich will, dass es anders läuft, deswegen schrei ich mal ne Runde rum.“
Hast Du schon mal probiert, als Argument während eines Konfliktes einfach souverän zu schweigen? Nicht bockig oder beleidigt. Sondern wirklich auf den inneren Impuls wartend. 
Du wirst nach etwas Übung im Schweigen merken, wie sich Dein Kehlkopf entspannt, der Kiefer sich lockern kann und Deine Zunge im unteren Mundraum gemächlich vor sich hin chillt. Dann merkst Du, wie die Resonanzräume weit werden und die Augenmuskulatur loslässt…..


??‍♀️??

So einfach, und schon so viel für Dich und Dein Well- Being getan.

Ernest Hemingway hat gesagt: Man braucht zwei Jahre um sprechen zu lernen und fünfzig um schweigen zu lernen.

Mit einer gewissen Reife fällt es uns einfacher, es mit uns selber auszuhalten und eine ruhige Innenschau zuzulassen.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit, gefüllt mit inspiriertem Sprechen und inspiriertem Schweigen. 
Yin und Yang☯️.

Erfüllte Grüße?
Sonja